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Zukunft gestalten – Teil 1: Unternehmerinnen und Unternehmer, die mehr bewegen als ihr eigenes Unternehmen

Redaktion
01.10.2026

Wirtschaftliche Zukunft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen

Wer ein Unternehmen führt, kennt das: Der Tag könnte gut und gerne ein paar Stunden mehr vertragen. Kunden, Mitarbeiter, Zahlen, Termine – und irgendwo dazwischen soll jetzt auch noch Platz für ein Ehrenamt sein? Eine berechtigte Frage. Auch wir bei LebensArt² kennen diesen Spagat aus vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern nur zu gut. Es gibt immer genug zu tun – und meistens noch ein bisschen mehr.

Zum Auftakt unserer dreiteiligen Reihe zur IHK-Wahl 2027 haben wir dem Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth, Wolfram Brehm darüber gesprochen, warum es trotzdem gerade Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Praxis braucht, die bereit sind, sich einzubringen und Oberfrankens Wirtschaft mitzugestalten.

Was am Schreibtisch allein nicht zu lernen ist

In der IHK arbeiten Fachleute aus vielen Bereichen: Juristen, Volkswirte sowie Expertinnen und Experten für Innovation und Technologie, Gründung und Nachfolge, Aus- und Weiterbildung, Außenwirtschaft und vieles mehr. Doch eine entscheidende Perspektive kann kein Lehrbuch ersetzen. „Was uns tatsächlich hier im Haus fehlt, ist die Unternehmenspraxis“, bringt es Wolfram Brehm auf den Punkt.

Und genau die bringen Unternehmerinnen und Unternehmer mit. „Nichts ist glaubwürdiger in der Interessenvertretung, als wenn ein Unternehmer oder eine Unternehmerin aus dem eigenen Betriebsalltag berichtet.“ Wie wirkt sich eine neue Verordnung tatsächlich aus? Wo wird Bürokratie zum Hemmschuh? Was brauchen Betriebe, damit aus einer guten Idee auch eine Investition wird?

Diese Erfahrungen sollen in die IHK-Gremien einfließen und die Arbeit der IHK mitgestalten. Für Brehm ist deshalb klar: „Wir brauchen einfach Menschen aus der Praxis, die uns sagen, wie es die Wirtschaft machen will.“

Denn die IHK ist die Selbstverwaltung der regionalen Wirtschaft. Sie vertritt Interessen gegenüber Politik und Verwaltung, übernimmt öffentliche Aufgaben – etwa rund um Ausbildung und Prüfungen – und unterstützt Unternehmen ganz praktisch: von Gründung und Nachfolge über Aus- und Weiterbildung, Außenwirtschaft bis hin zu ersten Auskünften in Rechtsfragen.

Wie wertvoll das sein kann, haben wir gerade selbst erlebt. Für einen Kunden unserer Agentur p-s-design stellte sich bei der Entwicklung einer Werbeaussage die Frage, ob diese mit einer neuen EU-Richtlinie kollidieren könnte. Statt gleich den Weg zum Anwalt zu nehmen, fragten wir bei der IHK für Oberfranken Bayreuth nach dem richtigen Ansprechpartner – und bekamen direkt eine erste hilfreiche Orientierung zu unserer rechtlichen Frage. Schnell, unkompliziert und für die weitere Arbeit ein echter Mehrwert.

Viele Mitgliedsunternehmen wissen wahrscheinlich gar nicht, welche Unterstützung ihnen die IHK bietet. Und auch hier schließt sich der Kreis zur Wahl: Über die Gremien gestalten Unternehmerinnen und Unternehmer mit, welche Schwerpunkte die IHK setzt und wofür sie sich in der Region und darüber hinaus für die regionale Wirtschaft stark macht.

Wenn aus meinem Problem unser Thema wird

Dass diese Mitgestaltung nicht erst bei den ganz großen wirtschaftspolitischen Fragen beginnt, zeigt ein Beispiel aus Kulmbach. Dort kam aus dem Einzelhandel der Wunsch auf, stärker mit der Stadt ins Gespräch zu kommen: über mehr Frequenz in der Innenstadt, Öffnungszeiten und ganz alltägliche Hürden.

Die IHK brachte Unternehmerinnen und Unternehmer mit Verantwortlichen aus Stadt, Wirtschaftsförderung und weiteren Bereichen bei einem gemeinsamen Rundgang direkt vor Ort zusammen. Statt übereinander zu sprechen, sprach man miteinander – direkt im Geschäft, eben dort, wo die Herausforderungen bestehen.

Für Wolfram Brehm ein Beispiel dafür, dass sich auch „im Kleinen viel erreichen“ lässt. Und genau solche Geschichten interessieren uns bei LebensArt² besonders: nicht nur die große wirtschaftspolitische Bühne, sondern die Momente, in denen aus einem ganz konkreten Problem vor Ort plötzlich Bewegung entsteht und Lösungen gefunden werden. Denn was ein einzelner Betrieb nur schwer auf die Agenda bekommt, kann als gemeinsames Anliegen deutlich mehr Gewicht entwickeln. Das zeigt auch das Beispiel aus Bayreuth. Auch dort kam der von der IHK initiierte Stadtspaziergang sehr gut an – sowohl bei den Einzelhändlern, aber auch bei der Verwaltung. Denn manche Hürden der Geschäftsleute waren den Verantwortlichen der Stadt gar nicht bekannt, einige konnten sogar direkt vor Ort im Gespräch aus dem Weg geräumt werden. Um andere Anliegen kümmerte sich die Stadt im Nachgang: Ein „Schandfleck“ in der Innenstadt wurde auf Bitten der Geschäftsnachbarn beseitigt und ein gewünschter Fahrradständer wird in Kürze installiert.

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Gesucht: Unternehmerinnen und Unternehmer mit Ecken und Kanten

Und was muss jemand mitbringen, der kandidieren möchte? Lange überlegen muss Wolfram Brehm nicht. Seine Antwort besteht zunächst aus nur einem Wort – dafür gleich dreimal: „Authentizität, Authentizität, Authentizität.“

Ein kleiner Einzelhändler erlebt Wirtschaft anders als der Vorstand eines großen Unternehmens. Ein Gastronom kämpft mit anderen Herausforderungen als ein Industriebetrieb oder ein Dienstleister. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven sollen an einen Tisch.

Und der Zeitaufwand? „Der ist überschaubar: Wir haben drei Sitzungen im Jahr“, ordnet Brehm den Aufwand pragmatisch ein: „Und es würde schon Sinn machen, dann auch teilzunehmen.“ Natürlich gibt es im Unternehmeralltag Geschäftstermine, die auch einmal vorgehen. Entscheidend sei das „Interesse an der Sache“ – und daran, den Wirtschaftsstandort Oberfranken voranzubringen. Nicht als Berufsfunktionär, sondern als das, was man ohnehin jeden Tag ist: Unternehmer oder Unternehmerin.

Wer also schon einmal gedacht hat „Da müsste sich doch etwas ändern“, kann den Gedanken ein Stück weiterführen: Warum nicht selbst mitgestalten und sich zur Wahl stellen?

Darum geht es uns in dieser Reihe: um Menschen, die Unternehmertum nicht an der eigenen Firmentür enden lassen und bereit sind, ein Stück Verantwortung für die Region zu übernehmen.

Die Kandidatur für einen Sitz in einem regionalen IHK-Gremium ist noch bis zum 26. Oktober 2026 möglich. Sie möchten kandidieren? Alle Informationen zur Wahl finden Sie hier: Allgemeine Informationen zur Wahl – IHK für Oberfranken Bayreuth

Im zweiten Teil unserer Reihe: Welche Themen werden Oberfrankens Wirtschaft in den kommenden Jahren besonders beschäftigen? Wir sprechen über Kosten, Bürokratie und Fachkräfte – und darüber, warum unternehmerische Erfahrung auch bei diesen Zukunftsfragen gefragt ist.


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